Careum Forum 2012

Teamarbeit, Flexibilität und die passenden Rahmenbedingungen sind Voraussetzung für Innovationen.

Das Careum Forum 2012 widmete sich dem Thema «Innovation im Gesundheitswesen» mit vier Referaten und einer anregenden Podiumsdiskussion. Die Veranstaltung versammelte am 28. August rund 200 Personen aus allen Berufsfeldern des Gesundheitswesens.

Inputreferat von Prof. Dr. Norbert Thom: Innovationsprozesse gestalten – von der Idee zur Umsetzung

Dass Innovationen unverzichtbar für die Wettbewerbsfähigkeit der Institutionen und den Wohlstand der Gesellschaft seien, bestreite niemand, meinte Prof. Dr. Norbert Thom, ehemaliger Direktor des Instituts für Organisation und Personal (IOP) der Universität Bern. Die Frage sei aber, welche Voraussetzungen und Bedingungen Innovationsprozesse ermöglichten. «Innovationen sind eine gesamtinstitutionelle Leistung. Alle müssen mitwirken», sagte er. Denn von einem Innovationsprozess könne erst gesprochen werden, wenn von der Idee über die Umsetzung bis zur Akzeptanz im Markt und beim Publikum alle einzelnen Schritte erfolgt seien. Weil jeder dieser Schritte ganz unterschiedliche Eignungen erfordere, könne man auf niemanden verzichten. «Wir brauchen alle Talente», brachte er es auf den Punkt. Zwar gebe es einen Mix spezifischer Instrumente, um Innovationen in einem Betrieb oder einer Organisation zu fördern, sagte er. Aber viel wichtiger seien eine innovationsförderliche Unternehmenskultur, die entsprechende Anreize setze und auch Fehler zulasse, sofern sie bei Nichtroutineaktivitäten gemacht und als Ausgangspunkt für Verbesserungen genutzt würden. Innovation sieht Norbert Thom als Teamarbeit von Promotorinnen und Promotoren mit unterschiedlichen Fähigkeiten: «Eine/r allein schafft das nicht.»

Präsentation des Projekts «IG kidsempowerment»

Das Projekt «IG kidsempowerment» als Beispiel für eine gelungene Innovation stellten Anita Hungerbühler (ParaHelp, Nottwil), Stefan Rohrbach (Universitätskinderspital beider Basel) und Brigitte Seliner (Universitätskinderkliniken, Zürich, Bild links) vor. Als gemeinsames Projekt aller grossen Kinderspitäler der deutschen Schweiz unterstützt es Kinder, die neurologisch bedingte Probleme bei der Ausscheidung haben. Inkontinenz bedeute oft einen grossen Leidensdruck, sagte Anita Hungerbühler. Auch bei den betroffenen Eltern sei die Unsicherheit gross. Bei Projektbeginn sei das Bedürfnis nach Richtlinien und Information ausgewiesen gewesen, erläuterte Brigitte Seliner. Die Gültigkeit der Richtlinien in allen beteiligten Institutionen auszuhandeln, sei gerade deshalb eine der Hürden gewesen, die das Projekt habe nehmen müssen. Inzwischen hätten vier Schulungswochenenden stattgefunden, an denen die Kinder üben konnten, Eltern Referate besuchten und sich untereinander austauschten. Diese Seminare seien für alle Beteiligten motivierend. Stefan Rohrbach sieht denn auch diese Motivation als eines der Highlights der Innovation «kidsempowerment».

Präsentation des Projekts «Hausbesuche SiL»

«Hausbesuche SiL» stellte die Chefärztin des Geriatrischen Dienstes der Stadt Zürich, Dr. Gabriela Bieri-Brüning (Bild links), zusammen mit den Pflegefachleuten vom SiL-Team, Jacintha Elmiger und Daniel Meier, vor. Das Projekt war im Rahmen des Gesundheitsnetzes 2025 zur Unterstützung von Personen mit Demenz in ihrem Zuhause entstanden. Es soll demenzkranken Menschen dazu verhelfen, solange wie möglich zu Hause zu bleiben. Seit 2008 habe sich die Zahl der betreuten Fälle annähernd verfünffacht, sagte Gabriela Bieri-Brüning. Seit Kurzem sei «Hausbesuche SiL» (Sozialmedizinisch individuelle Lösungen) ein ständiges Angebot der gerontologischen Beratungsstelle der Stadt Zürich. Bis das Projekt in die Regelversorgung integriert worden sei, habe es Geduld gebraucht. Ein Erfolgsfaktor sei die Zusammensetzung des Teams aus Pflegenden mit sehr unterschiedlichem Hintergrund gewesen. Aber auch Flexibilität gehöre zu den entscheidenden Faktoren. Denn man habe das Angebot, das sich ursprünglich auf die Beratung Angehöriger konzentrierte, anpassen müssen. Heute liege der Fokus auf Abklärung, Betreuung und Unterstützung demenzkranker Menschen, die kein soziales Netz haben oder sich wegen fehlender Krankheitseinsicht keine Hilfe organisieren wollen und können.

Inputreferat von Prof. Dr. Karl Weber: Impulse für Innovationen durch Aus- und Weiterbildung

«Fördert die Dynamik in der beruflichen Grund- und Weiterbildung das Innovationspotenzial in den Arbeitsfeldern?» So lautete die Ausgangsfrage des Referats von Prof. Dr. Karl Weber, ehemaliger Leiter der fakultätsübergreifenden Koordinationsstelle für Weiterbildung der Universität Bern. Die fortschreitende Differenzierung der Vielzahl von Berufsabschlüssen ganz unterschiedlicher Qualitäten führe zu einem generellen Sog nach höherwertigen Abschlüssen und einer tendenziellen Entwertung der Erstabschlüsse. «Zudem werden die autonomen individuellen Lernpotenziale unterschätzt», diagnostizierte er. Um Innovationen im beruflichen Umfeld zu ermöglichen, brauche es als Haltung eine Balance zwischen Nähe, Passion und Distanz gegenüber dem Gegenstand der Innovation.

Podiumsdiskussion

In der anschliessenden Podiumsdiskussion war man sich einig, dass in der Aus- und Weiterbildung Innovationsfähigkeiten erworben werden. Es brauche allerdings passende Rahmenbedingungen, damit diese Fähigkeiten in Organisationen auch unterstützt werden – zum Beispiel Partizipationsmöglichkeiten und entsprechende Anreize. «Die Beispiele SiL und ‹kidsempowerment› zeigen, dass die Innovationen nicht Selbstzweck sind, sondern den beteiligten Institutionen dienen. Solche Erfolgsgeschichten brauchen wir, weil sie uns motivieren», sagte Prof. Monika Schäfer, ehemalige Leiterin Careum F+E, in ihrem Schlusswort.


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