11 Fragestellungen bearbeitet

Gut 100 Personen haben an der Careum Summer School 2019 teilgenommen. Sie haben gemeinsam elf Projektideen für die interprofessionelle Zusammenarbeit entwickelt.

Die Careum Summer School leistet mit ihrem Grossgruppen-Format einen soliden Beitrag zum Bildungsmanagement im Gesundheitswesen. 2019 fand die zweitägige Veranstaltung, die von der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften mit einem Award für Interprofessionalität ausgezeichnet worden ist, zum zweiten Mal statt. Es nahmen über 100 Personen teil, davon 90 Lernende und Studierende aus neun verschiedenen Praxisinstitutionen und 12 Betroffene (Patientinnen, Patienten, Peers und Angehörige). Sie erfuhren im direkten Austausch, wie unterschiedliche Perspektiven auf ein Thema neue Impulse auslösen können. Die moderierte Lernprozessbegleitung schaffte den nötigen Raum, um neue Wege zu erkunden und das eigene Potenzial zu erweitern.

Am ersten Tag sammelten die Teilnehmenden die vorhandenen Ideen zum Thema Selbstbestimmung mit der Methode World Café und bündelten am Ende ihre Vorschläge. Der anschliessende Open Space ermöglichte noch mehr Öffnung. Die Teilnehmenden erhielten Raum, die Themen einzubringen, mit denen sie sich unmittelbar beschäftigten und die sie im Austausch bearbeiten wollten. Die Rückmeldungen am Ende des ersten Tages bestätigten die Beobachtungen: Die Teilnehmenden konnten viele neue Begegnungen und Meinungen als positiven Impuls wahrnehmen.

Fragestellungen und Ergebnisse

Am zweiten Tag versammelten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Rahmen eines Marktplatzes und wählten die am Vortag skizzierten Themen aus. Die Projektideen bezogen sich konkret auf den Austausch mit Betroffenen, den Umgang mit Patientensicherheit, die Klärung im Umgang mit Hierarchien sowie die klare Kommunikation zwischen Fachleuten. Daraus sind elf Projektideen für die interprofessionelle Zusammenarbeit entstanden. Nachfolgend eine kurze Zusammenfassung der Fragestellungen und Ergebnisse:

  1. Wie können Patienten motiviert werden, Hilfe anzunehmen?
    Das Ergebnis ist eine Stichwortsammlung zur Beziehungsgestaltung zwischen Fachpersonen und Betroffenen, die sich im Kürzel «DÜRÜM» zusammenfasst.
    Dasein Fokus
    Überblick verschaffen
    Ressourcen nutzen, fördern
    Überlegtes patientenorientiertes Vorgehen
    Motivieren
     
  2. Recovery – wie kann trotz Beeinträchtigung subjektive Lebensqualität wieder erlangt werden?
    Die Gruppe entwickelte ein Beobachtungsinstrument für den Umgang mit der Beeinträchtigung: ein Recovery-Kompass mit Abgleich in drei Himmelsrichtungen «Recovery Alive», «Recovery Dead End», «No recovery». Die Bedeutung der drei Richtungen wurde in drei kurzen Filmsequenzen visualisiert. Der Recovery-Kompass unterstützt die Fachpersonen in der Einschätzung der aktuellen Situation im Alltag.
     
  3. Wie fördern wir die Kommunikation mit den Patientinnen und Patienten?
    Mit verschiedenen Hilfsmitteln für Patienteninformation und einem Roundtable soll die Zusammenarbeit zwischen Fachpersonen und Betroffenen gefestigt werden. Einige Ideen dazu wurden aufgelistet: Patientinnen, Patienten und Betroffene führen Tagebuch, schreiben Fragen auf, tragen eine Notiz im Portemonnaie und nutzen eine Smartphone-App. Fachleute sowie Patientinnen und Patienten teilen ein Informationsblatt, einen gemeinsamen Fahrplan und Kalender mit gemeinsamen Terminen. Sie benutzen einfache Sprache und übersetzen Fachjargon. Der interprofessionelle Roundtable mit Fallbesprechungen findet jeweils mit und ohne Betroffene statt.
     
  4. Welche Empfehlungen für die Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen sind förderlich?
    Die Gruppe skizzierte Vorschläge für die zwei Themenfelder Kommunikation und Arbeitsklima. Den fehlenden Informationsaustausch über offizielle Wege fördern, z. B. durch regelmässige interprofessionelle Treffen.  Zu knapper oder fehlender Kommunikation entgegnen, z. B. durch reflektierte und effiziente Rückmeldungen mit zeitnahem Handeln. Die Engstirnigkeit im eigenen Berufsfeld mit Angeboten und interprofessionellen Fortbildungen erweitern. Dem Problem der geringen Fehlertoleranz mit konstruktiver Beziehungsgestaltung begegnen, z. B. Fehler anerkennen, Situationen rückblickend evaluieren und Massnahmen dazu ableiten.
     
  5. Gedanken zum Traumgesundheitswesen – stell dir vor...
    Die Gruppe präsentierte Satzanfänge, die mit konkreten Lösungsvorschlägen und Wünschen ergänzt wurden. Die Inhalte bezogen sich auf: Umgang mit Arbeitszeiten, interdisziplinäre Hierarchien, Sicherheit im Team, Erfahrungen machen statt Fehler, Patienten kontinuierlich durch dasselbe Team betreuen, ausgeruhtes und motiviertes Personal an der Arbeit.
     
  6. Wie können Hierarchien überwunden werden? – Hierarchie wird zur Wirarchie
    Die Gruppe erstellte eine Guideline und Checklisten für Arzt, Pflege, Physiotherapie. Leitmotiv: «Mit Group wird die Hierarchie zur Wirarchie!»
    Gemeinsame Aktivitäten
    Reflektieren in regelmässigen Sitzungen
    Offenheit
    Umgangsformen: Respekt und Wertschätzung
    Praktika (interprofessionell)
     
  7. Interprofessioneller Umgang und Hierarchie: Rahmenbedingungen, um voneinander zu lernen?
    Die Gruppe entwickelte Vorschläge auf der Haltungsebene und korrigierbare Anpassungen in der Organisation. Mehr Berührungspunkte schaffen, entspannten Rahmen schaffen, strukturierte Teamsitzungen, Feedback, obligatorisch: Kommunikationsseminare mit Studierenden Physio, Ergo, Logo, Medizin. Leitmotiv: «Statt eus korrigiere und blamiere, vonenand profitiere!»
     
  8. Hierarchien im Spital – Strategien, um hierarchische Barrieren zu überbrücken
    Nach einer Analyse und Definition zu Hierarchie wurden Lösungsansätze entwickelt, die Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen den Hierarchien zu verbessern. Dazu gehören: eine gute Basis legen durch klare und wertschätzende Kommunikation, ein Plenum schaffen, um die Zusammenarbeit zu reflektieren und Fortbildungen für interprofessionelle Zusammenarbeit. Leitmotiv: «Hirarchie mir lönds la si! Uf einere Augehöchi simmer debi!»
     
  9. Berufsleben neu definiert – Merkblätter und Checklisten für Patienten
    Nach einer längeren Auszeit durch Krankheit der Patientinnen und Patienten soll der Einstieg in den Berufsalltag schrittweise neu gestaltet werden. Hierzu dienen Unterlagen, die unterstützend eingesetzt werden können. Exemplarisch am Beispiel «Herzklappenfehler» wurde je ein Merkblatt für Angehörige und Patienten entwickelt. Für beide gemeinsam gilt: Richtige Aufklärung der Krankheit, Ablauf weiteres Vorgehen (Checkliste 1–6), Institutionen und Anlaufstellen kennen.
     
  10. Ethisches Dilemma – Grundprinzipien, Verantwortung und Grenzen
    Eine vertiefte Auseinandersetzung zur Haltung gegenüber ethischen Fragestellung brachte eine Liste mit Checkpunkten hervor. Sie kann dabei unterstützen, eine Situation angemessen einzuschätzen und entsprechende Begleitung und Hilfe (z. B. Krisenhelfer, Ethikkommission) anzufordern.
     
  11. Betroffene Angehörige – Hilfe zur Selbsthilfe anbieten
    Im Austausch wurden die Anliegen von betroffenen Angehörigen auf den Punkt gebracht: Es geht um die Grenzfindung der Verantwortung und um das Wissen, wie und wo ich als betroffene Angehörige den Patienten oder die Patientin pflegen helfen und eine gute Beziehung mit den Fachpersonen aufbauen kann. Auf einem Leporello sollen Informationshilfen, Aufklärung und Lösungsansätze mit Bezug zum Forschungsstand angeboten werden: handlich, einfach zugänglich, ausbaufähig sowie kurz und knackig.
     

Begleitevaluation – wie nachhaltig ist die Careum Summer School?

Welchen Beitrag die Careum Summer School auf den Praxisalltag haben wird, soll eine Begleitevaluation zeigen. Sie wird in Zusammenarbeit mit der Careum Hochschule Gesundheit durchgeführt und soll 2020 erscheinen.

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